Die Rekrutierungphase der Studie ist erfolgreich mit dem Einschluss von 2015 Patienten am 31.12.2017 beendet worden.
Vielen Dank an alle Beteiligten.

Herzlich Willkommen

Therapie einer intraoperativen Hypotension mit Theodrenalin / Cafedrin versus Ephedrin:
eine multizentrische, prospektive, cluster-randomisierte, nicht-interventionelle Studie

Eine Studie unter wissenschaftlicher Federführung der Universität Marburg.
In Zusammenarbeit mit der Firma Teva ratiopharm.



Kontakt:
Prof. Dr. L. Eberhart, Uniklinikum Marburg
E-Mail:
Tel.: 06421-5865989

Teva ratiopharm
Dr. Susanne Huljic
E-Mail:
Tel.: 0731-4025747 / 0731-4025738

Aktuelle Daten

444

Anzahl der
registrierten
Zentren

115

Anzahl der
eingeschlossenen
Zentren

979

Anzahl
dokumentierte
Patienten
Akrinor

1036

Anzahl
dokumentierte
Patienten
Ephedrin

Hintergrund

Eine intraoperative Hypotension ist ein häufiger Notfall. Bei etwa einem Drittel aller Narkosen tritt im Zeitraum zwischen Einleitung der Anästhesie und deren Beendigung mindestens einmal die Situation auf, in der ein/e Anästhesist/in aufgrund eines zu niedrigen arteriellen Blutdrucks intervenieren muss. Immer mehr Daten zeigen, dass ein starker Blutdruckabfall aber auch stark schwankender Blutdruck zu postoperativen Komplikationen führen kann. Dazu gehören kognitive, neurologische und kardiozirkulatorische Dysfunktion bis hin zu einer erhöhten Mortalitätsrate. Zur Therapie eines Blutdruckabfalls stehen neben Volumengabe verschiedene intravenöse Medikamente zur Blutdrucksteigerung aus der Gruppe der Symphatomimetika/Vasopressoren zur Verfügung. Gerade letztere eignen sich durch den schnellen Wirkeintritt sehr gut zur Kupierung behandlungsbedürftiger hypotoner Kreislaufepisoden. Angesichts der Häufigkeit ihrer Verwendung sowie der hohen klinischen Relevanz von Hypotensionen ist es umso verwunderlicher, dass es bislang praktische keine belastbare Studiendaten gibt die verschiedene für diese Indikation in Deutschland verfügbare Substanzen direkt mit einander verglichen haben. Dies liegt sicherlich auch daran, dass im deutschsprachigen Raum mit Akrinor eine seit Jahrzehnten bewährte und effektive Therapie zur Verfügung steht, die in vielen anderen Ländern nicht etabliert ist. Umgekehrt ist Ephedrin dort ein Quasi-Standard, der erst seit der kürzlich erfolgten Zulassung der Substanz in Deutschland überhaupt hier verfügbar ist. Dementsprechend gibt es bis heute keinen einzigen direkten Vergleich zwischen Akrinor und Ephedrin bei der Behandlung intraoperativer Hypotensionen, der angesichts der aktuellen Situation und der Bedeutung dieser Fragestellung aus wissenschaftlicher wie klinischer Sicht ausgesprochen bedeutsam wäre. Umso erfreulicher ist es, dass sich nun unabhängige Wissenschaftler – unterstützt durch ein großes pharmazeutisches Unternehmen - daran gemacht haben, ein Studienkonzept zu erarbeiten, mit dem diese eklatante Wissenslücke geschlossen werden kann.

Klinische Endpunkte

Das vorliegende Konzept vereint ein praxisnahes Vorgehen, das unsere tägliche klinische Arbeit als Anästhesisten und unsere Erfahrung und Expertise in der direkten Patientenbetreuung reflektiert, mit einer etablierten wissenschaftlichen methodischen Herangehensweise. Dies wird durch ein nicht-interventionelles Studiendesign ermöglicht, das durch eine Randomisierung der Fachabteilungen verschiedener teilnehmender Studienzentren am Ende eine belastbare Aussage zu klinisch relevanten Endpunkten der Hypotensionstherapie erlauben wird. Die Datenauswertung wird sich dabei auf die spezielle Dokumentation von Routinedaten der teilnehmenden Krankenhäuser stützen. In der Studie werden Allgemeinansästhesie-Patienten eingeschlossen, die ein erhöhtes Risiko für eine intraoperative Hypotension aufweisen. Als zweite Gruppe werden schwangere Frauen aufgenommen, die sich einer elektiven Kaiserschnittentbindung unterziehen. Endpunkte sind die Inzidenz von Tachykardien, die Schnelligkeit des Wirkungseintritts und die Präzision der Blutdrucksteigerung sowie klinisch harte Endpunkte wie die Inzidenz eines Delirs bei Allgemeinanästhesie-Patienten und der Nabelschnur-pH-Wert in der Patientengruppe mit Kaiserschnittentbindung.

Ablauf

Erste Rückmeldung aus Krankenhäusern unterschiedlichster Versorgungsstufen zeigen bereits jetzt ein großes Interesse der Anästhesie-Community an dem hier kurz skizzierten Projekt. Wir rufen alle Anästhesisten auf, sich an diesem für unsere Patienten, unser Fachgebiet und unsere tägliche Arbeit außerordentlich wichtigem Projekt zu beteiligen. Sie können sich auf dieser Seite unverbindlich zur Teilnahme an der Studie registrieren. Wir werden Sie nach der Registrierung zeitnah kontaktieren.
Gesucht werden solche Fachabteilungen, die entweder Ephedrin oder Cafedrin/Theodrenalin zur Behandlung der Hypotension einsetzen. Aus jeder Klinik können sich mehrere Fachabteilungen (Zentrum) registrieren (intrakranielle oder herzchirurgische Eingriffe sind ausgeschlossen). Aus allen registrierten Fachabteilungen werden letztlich 100 Fachabteilungen gelost (Randomisierung der Fachabteilungen) und nach strukturellen Parametern gematcht.
Pro Zentrum (Fachabteilung), mit Ausnahme der Gynäkologie (Sectio Cesarea), werden etwa 25 Patienten eingeschlossen. In der Gynäkologie (betrifft: Sectio Cesarea) werden jeweils etwa 8 Patientinnen rekrutiert.
Sollten sich weitere Fragen zum Ablauf der Studie ergeben, stehen wir Ihnen gerne unter der oben angegebenen Telefon-Nummer oder Email-Adresse zur Verfügung.

Details zur Studie

 

  • Das Studiendesign

    Nicht-interventionelle Studien werden im Arzneimittelgesetz unter §4, Abs. 23. aufgeführt. Nicht-interventionelle Studien müssen verschiedene Kriterien erfüllen. Es werden keine oder nur zugelassene und handelsübliche Medikamente oder Präparate sowie gängige Medizinprodukte, Geräte oder Verfahren gemäß den in der Zulassung festgelegten Angaben eingesetzt. Der Patient wird im Rahmen seiner Routinebehandlung therapiert. Dem Arzt werden durch die Studie keine Vorschriften in Form eines vorab festgelegten Prüfplanes zur Behandlung des Patienten gemacht. Die Diagnoseverfahren und sonstigen Beobachtungsverfahren entsprechen der ärztlichen Praxis. Insbesondere werden keine weiteren Diagnoseverfahren durch die Studie veranlasst. Die Ergebnisse werden mit Methoden der Epidemiologie analysiert. Viele Autoren betonen die Vorzüge einer solchen Studienkonzeption. Von Daten aus der "echten Behandlungswelt" wird hier oft gesprochen. Gemeint ist damit, dass kein explizites Studienprotokoll mit exakt festgelegten Ein- und Ausschlusskrietrien beachtet werden muss. Statt dessen wird die Behandlung mit derjenigen Dosierung durchgeführt, die dem behandlenden Arzt angemessen und sinnvoll erscheint. Dies garantiert eine hohe Praxisrelevanz der erzielten Ergebnisse, da kein rigides Studiendesign eine standardisierte Therapie vorgibt. Damit kann das Design als nicht-interventionelle Studie gerade in Situationen eines Notfalls (hier die intraoperative Hypotension) erhebliche Vorteile gegenüber einem kontrollierten Design ausspielen.

  • Fallzahlkalkulation

    Die Fallzahlanalyse fokussiert auf die Inzidenz einer Tachykardie nach Hypotensionstherapie entweder mit Akrinor oder Ephedrin. Darüber hinaus werden aber auch weitere hämodynamische Parameter erfasst. So steht nach Meinung vieler Anästhesisten die Schnelligkeit des Blutdruckanstiegs aber auch dessen Verlässlichkeit als wichtigstes Kriterium ganz vorne. Ebenfalls häufig wurde die Wirkdauer genannt. Diese drei Unterpunkte der hämodynamischen Stabilisierung werden daher als wichtige sekundäre Endpunkte bei der Datananalyse berücksichtigt werden.

  • Der Beobachtungsplan

    Der Beobachtungsplan ersetzt im Falle einer NIS das Studienprotokoll. Hier wird nicht die Therapie vorgegeben (z.B. welches Medikament in welcher Dosis bei welchem Blutdruck gespritzt werden muss) sondern lediglich definiert, welche Daten dokumentiert werden. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass keine Abweichung vom routinemäßigen Vorgehen erfolgen darf. Würde z.B. eine (invasive) Untersuchung nur deswegen erfolgen, weil sie im Beobachtungsplan vorgesehen ist, würde dies eine Aufklärung und Zustimmung des Patienten erfordern.

  • Aufklärung des Patienten

    Grundsätzlich besteht keine Pflicht den Patienten aufzuklären, wenn eine NIS durchgeführt wird, da lediglich Daten, die ohnehin erhoben und dokumentiert werden, in anonymisierter Form gesammelt werden. Beim geplanten Projekt ist es aber dennoch verpflichtend vorgesehen, dass Patienten der Verwendung und Weitergabe ihrer Daten zustimmen. Die Einholung dieser Zustimmung kann aber nach Ende der Datendokumentation geschehen. Dies stellt für den klinischen Forscher vor Ort eine große Erleichterung dar, da ja bei einer Auflärung zu Behandlungsbeginn noch gar nicht abzusehen ist, ob ein Patient eine Intervention wegen eines intraoperativen Blutdruckabfalls benötigt.

  • Ethikvotum

    Für die Studie wurde ein zentrales Ethikvotum des Fachbereichs Medizin der Philipps-Universität Marburg eingeholt. Für jede beteiligte Klinik wird bei der jeweiligen Ethikkommission ein Anmeldeverfahren durchgeführt. Dabei werden Sie von einer CRO (durch den Sponsor beauftragtes Unternehmen) professionell unterstützt.

  • Randomisierung der Fachabteilungen

    Unter einer Randomisierung der Fachabteilungen versteht man die zufällige Zuteilung einer Behandlungseinheit zu einer Therapiegruppe. Das bedeutet, dass nicht der individuelle Patient einer bestimmten Behandlung zugeteilt wird, sondern eine Klinik bei allen in Frage kommenden Patienten eine Standardbehandlung durchführt. Im Falle der hier geplanten nicht-interventionellen Studie wird eine Variante dieses Vorgehens gewählt. Zunächst wird eine möglichst große Zahl an Kliniken gesammelt, die bereit sind an der Untersuchung teilzunehmen. Aus diese Pool werden dann zufällig Anästhesieabteilungen, die entweder Cafedrin/Theodrenalin oder Ephedrin benutzen, per Los ausgewählt. Das bedeutet, dass der Erfolg des Projektes davon abhängt, dass mögichst viele Kliniken sich grundsätzlich zur Teilnahme bereit erklären.

Häufige Fragen

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung

Benötige ich ein eigenes Ethikvotum?

Nicht-Interventionelle Studien (NIS) fallen unter § 15 der Berufsordnung (BO) für in Deutschland tätige Ärzte. Laut § 15 müssen sich die beteiligten Ärzte vor Beginn einer Beobachtungsstudie diese bei der zuständigen Ethikkommission anzeigen und eine schriftliche ethische Beratung durchführen. Daher wird für jeden beteiligten Arzt bei der für ihn zuständigen Ethikkommission das nötige Beratungserfahren durchgeführt, hierbei wird eine CRO (Clinical Research Organisation) Sie unterstützen.

Wie hoch ist die Vergütung als Prüfer?

Gemäß § 67 Absatz 6 Satz 3 AMG sind Entschädigungen, die an Ärzte für ihre Beteiligung an Nicht-Interventionellen Studien (NIS) geleistet werden, nach ihrer Art und Höhe so zu bemessen, dass kein Anreiz für eine bevorzugte Verschreibung oder Empfehlung bestimmter Arzneimittel entsteht. Die Honorierung muss sich daher am Aufwand für die zusätzlich erforderliche Dokumentations- und andere Maßnahmen (u.a. Aufklärung zum Datenschutz) orientieren. Eine Orientierung hierfür biete die ärztliche Gebührenordnung (GOÄ) . Nach Kalkulation des zusätzlichen Aufwandes mit den entsprechenden Sätzen der GOÄ wird die Erstattung pro vollständig dokumentiertem Patienten bei ca. 150,- € liegen.

Kann ich Co-Autor bei einer Publikation werden?

Grundlage für die Qualifikation als Autor sind die Empfehlungen des International Committee of Medical Journal Editors: Alle für die HYPOTENS-Studie rekrutierenden Zentren werden mit dem Studienzentrum zur „HYPOTENS study group/Studiengruppe“ zusammengefasst. Bei jeder Publikation wird „and the HYPOTENS study group“ hinzugefügt. Besonders aktiv rekrutierende Zentren können für eine Ko-Autorschaft in Betracht gezogen werden (hier gibt es freie Plätze für gut rekrutierende Zentren), wenn sie neben der Rekrutierung ein aktives wissenschaftliches Interesse zeigen. Aus den in der HYPOTENS-Studie gewonnenen Daten sollen zwei Hauptartikel und evtl. weitere Artikel mit zentral interessierenden Aspekten erstellt werden. Zurzeit wird eine Publikationsordnung für die Studie erstellt, die u.a. die Publikationsstrategie aufzeigt, die Vergabe der Plätze bei der Autorenschaft regelt, usw.

müssen Patienten bei einer NIS aufgeklärt werden?

Ja, die Patienten müssen bei nicht-Interventionellen Studien datenschutzrechtlich aufgeklärt werden. Er muss eine schriftliche datenschutzrechtliche Einwilligung zur anonymisierten bzw. pseudonymisierten Datenerfassung und zur statistischen Verarbeitung der erhobenen personenbezogenen Daten geben. Die Vorgaben des Datenschutzes müssen berücksichtigt werden.

Wieviel Patienten werden eingeschlossen?

Die Studie wird insgesamt 1860 Patienten umfassen. Jedes Zentrum (Ausnahme Gynäkologie / Sectio Cesarea) wird 25 Patienten rekrutieren. In der Gynäkologie (Sectio Cesarea) werden pro Zentrum 8 Patientinnen rekrutiert.

Kontakt bei weiteren Fragen

Kontakt:
Prof. Dr. L. Eberhart, Uniklinikum Marburg
E-Mail:
Tel.: 06421-5865989

Teva ratiopharm
Dr. Susanne Huljic
E-Mail:
Tel.: 0731-4025747 / 0731-4025738

Das Team

Steering Committee

Professor Dr. Leopold Eberhart
Wissenschaftlicher Leiter

Prof. Eberhart ist stellvertretender Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie an der Philips-Universität Marburg und dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH. Er beschäftigt sich wissenschaftlich mit Themen der perioperativen Phase. Postoperative Schmerztherapie und die Vermeidung von Übelkeit und Erbrechen sind dabei von besondererem Interesse. Er leitet außerdem das Aktionsbündnis GutAufgewacht.

Professor Dr. Götz Geldner
Koordinator Steering-Committee

Prof. Dr. Götz Geldner ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie im Klinikum Ludwigsburg und Leiter des Zentrums für Anästhesiologie in der regionalen Kliniken Holding RKH. Anfang 2012 wurde er zum zum Präsidenten des Berufsverbands Deutscher Anästhesisten (BDA) ernannt. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte umfassen die Thematik der Muskelrelaxantien und der klinischen Ökonomie.

Professor Dr. Peter Kranke, MBA
Wissenschaftlicher Leiter Steering-Committee

Peter Kranke ist seit 2007 Oberarzt und Leiter der klinischen Forschung an der Klinik für Anästhesiologie des Universitätsklinikums Würzburg. Der Schwerpunkt seiner Forschungsarbeit liegt auf der perioperativen Medizin – und da im Besonderen auf Patientenzufriedenheit und der Vermeidung von Beschwerden, die mit Blick auf die Patientenzufriedenheit oder eine 'schnelle postoperative Rekonvaleszenz nachteilig sind. Zu diesem und anderen Themen hat Professor Kranke über 150 wissenschaftliche Artikel und Buchbeiträge verfasst.